Inhalt der Website: Die Schweizerischen Gesellschaft für Lymphologie (SGL) übernimmt die Interessenwahrung der Mitglieder gegenüber politischen Organen, Behörden, anderen Organisationen, Krankenkassen und Versicherungen. Anerkennung der Fachausbildung des Lymphdrainage- und Ödemtherapeuten gemäss den kantonalen und eidgenössischen Richtlinien und Verordnungen.
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Beitrag v. Dr. med. U. Herpertz, Ödemklinik Bad Nauheim (D)
Ein Ödem ist immer ein Symptom einer Grunderkrankung. Unterschiedliche Ursachen können dabei die kapilläre Filtration in das interstitielle Bindegewebe pathologisch erhöhen oder die venöse Reabsorption bzw. den Lymphabfluss vermindern, was man durch entsprechende klinische und technische Untersuchungen meistens differenzieren kann.
Die Therapie wird im wesentlichen bestimmt von Eiweissgehalt des Ödems und der Ödemcharakteristik. Diuretika sind nur wirksam bei eiweissarmen Ödemen, welche zur Generalisation neigen. Die „Physikalische Ödemtherapie“ (manuelle Lymphdrainage und Kompression) dagegen ist indiziert bei eiweissreichen Ödemen und bei nur lokalisiert auftretenden eiweissarmen Ödemen. In seltenen Fällen kommen auch Substitution von Eiweiss, Operationen oder Hormontherapie in Frage.
Unter physiologischen Bedingungen besteht ein Gleichgewicht zwischen dem Flüssigkeitszufluss zum Interstitium (Bindegewebe) durch Filtration aus den arteriellen Kapillaren und dem Abfluss aus dem Interstitium, einerseits durch Reabsorption in die venösen Kapillaren sowie andererseits durch Drainage über die Lymphgefässe.
Ödeme bilden sich dann, wenn der Zufluss zum interstitiellen Gewebe erhöht oder aber der Abfluss daraus vermindert ist. Ein erhöhter Zufluss findet sich infolge verstärkter Filtration bei Eiweissmangel, erhöhtem Kapillarblutdruck oder erhöhter Kapillarpermeabilität.
Eine Abflussverminderung liegt vor, wenn die Lymphdrainage behindert ist. Somit sind all die unterschiedlichen Ödemformen erklärbar durch Veränderungen von einem oder mehrerer dieser vier Ödemfaktoren.

Ödeme können einerseits eiweissarm oder eiweissreich sein und andererseits generalisiert oder lokalisiert auftreten. Die zur Generalisierung neigenden Ödeme sind immer symmetrisch angelegt und beginnen entsprechend der Schwerkraft an den Unterschenkeln und Füssen, bei Bettlägerigen oft auch am Rücken. Lokalisiert auftretende Ödeme können einseitig und beidseitig auftreten. Eiweissarme Ödeme zeigen immer eine tiefe Dellbarkeit, wogegen eiweissreiche Ödeme infolge Eiweiss-Fibrosebildung ihre Dellbarkeit im Laufe der Zeit zunehmend verlieren.Ödeme vergrössern den Abstand zwischen Blutkapillaren und Körperzellen. Diese verlängerte Diffusionsstrecke bedeutet eine schlechtere Ernährung der Zellen, was zu Zellschädigung bzw. zum Zelltod führen kann. Eine Reduzierung bzw. Beseitigung eines Ödems ist daher notwendig, um Zelluntergänge und somit Gewebsschädigungen zu verhindern.
Therapeutisch sind Ödeme dann durch Diuretika behandelbar, bei denen es sich um eiweissarme, grundsätzlich zur Generalisation neigende Ödemformen handelt. Diuretika bewirken in der Niere bekanntlich eine verminderte tubuläre Rückresorption von Salzen, bes. Natrium, und damit auch von Wasser, so dass es zu einer Entwässerung des gesamten Körpers kommt. Durch Diuretika sind bevorzugt behandelbar renale, hepatogene, kardiale und Eiweissmangelödeme.
Die anderen Ödeme sind entweder eiweissreich oder nur lokalisiert auftretende eiweissarme Ödeme. Bei den eiweissreichen Ödemen können Diuretika deswegen nicht wirken, weil sie die Eiweisse nicht aus dem Interstitium entfernen können, so dass Flüssigkeit aufgrund der onkotischen Kraft der Gewebseiweisse aus den Blutgefässen sofort wieder ins Interstitium zurückströmt.
Bei grundsätzlich nur lokalisiert auftretenden eiweissarmen Ödemen – wie dem Phlebödem – kommt es neben der Entstauung im Ödemgebiet auch zu einer Entwässerung des übrigen nicht ödematisierten Organismus, wodurch Neben-wirkungen provoziert werden können wie Elektrolytstörungen, Rhythmusstörungen, Erhöhung von Harnsäure und Blutfetten sowie hypotone Kreislaufbeschwerden infolge Hypovolämie des Blutkreislaufes.
Diese einweissreichen und die nur lokalisiert auftretenden einweissarmen Ödeme können nur mit Therapien behandelt werden, welche so wirken müssen, dass sie den Lymphabfluss verbessern, die Filtration reduzieren und die Reabsorption erhöhen. Dies ist nach heutigem Wissensstand nur mit der „Physikalischen Ödemtherapie“ möglich, welche aus 3 Komponenten besteht:

Aus lymphologisch-therapeutischer Sicht ist eine Einteilung der verschiedenen Ödeme in 3 Gruppen sinnvoll.
| Gruppe 1: | Die physikalische Ödemtherapie ist die einzige oder eine ganz wesentliche Therapie. | |
| Gruppe 2: | Die physikalische Ödemtherapie kommt nur dann zusätzlich symptomatisch zum Einsatz, wenn eine Basistherapie, meist medikamentöser Art, nicht ausreichend wirkt. |
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| Gruppe 3: | Die physikalische Ödemtherapie ist grundsätzlich nicht indiziert. |



