Inhalt der Website: Die Schweizerischen Gesellschaft für Lymphologie (SGL) übernimmt die Interessenwahrung der Mitglieder gegenüber politischen Organen, Behörden, anderen Organisationen, Krankenkassen und Versicherungen. Anerkennung der Fachausbildung des Lymphdrainage- und Ödemtherapeuten gemäss den kantonalen und eidgenössischen Richtlinien und Verordnungen.
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Beitrag von W. Eisenhöfer, Davos - Präsident SGL
Es gibt nicht viele Gebiete in der Medizin, deren Geschichte interessanter und spannender ist als die der Entdeckung bzw. Wiederentdeckung des Lymphgefässsystems.
Im Gegensatz hierzu kann z.B. von einer Entdeckung des Arterien-, Venen-, Nervensystems usw. im engeren Sinne des Wortes kaum die Rede sein, da diese eigentlich bereits seit Urzeiten bekannt waren und man höchstens feststellen konnte, dass diese Kenntnisse und Anschauungen zumal sehr unklar waren. Das Lymphgefässsystem dagegen ist, wie dies im weiteren dargelegt wird, tatsächlich «entdeckt» worden.
Hippokrates ca. 460 – 370 v.Chr. (GR) Arzt des Altertums, sprach bereits von Gefässen die «weisses Blut» führen.
Aristoteles 384-322 v. Chr. (GR) Philosoph, und auch griechische Ärzte der alexandrinischen Schule beschrieben in alten Schriften diese Gefässe bei Mensch und Tier als «ductus lactei». Danach gerieten diese Erkenntnisse fast für zwei Jahrtausende wieder in Vergessenheit.
Caspar Asellius 1581-1672 (I) wirkte in Mailand und war der eigentliche Entdecker des Lymphgefässsystems. Am 23. Juli 1622 entdeckte C. Asellius bei einer Vivisektion eines «wohlgenährten Hundes» im Mesenterium weisse Stränge. Asellius beschrieb seine Entdeckung wie folgt:
«Überrascht von der Neuartigkeit der Sache, stand ich einen Augenblick wortlos da, während mir die verschiedenen Diskussionen der Anatomen einfielen, die so reich an Anzüglichkeiten und nicht minder an Worten sind [...]». «Als ich mich für den Versuch gesammelt hatte, ergriff ich ein sehr scharfes Messer und machte in einen dieser Stränge einen Einschnitt. Kaum hatte ich ihn jedoch berührt, als ich eine weisse, der Milch oder Sahne ähnlichen Flüssigkeit herausfliessen sah. Diese erblickend, vermochte ich kaum meine Freude zu unterdrücken und rief, mich zu den Umstehenden wendend [...], wie Archimedes «heureka» ("ich hab's gefunden"), gleichzeitig forderte ich sie auf, das interessante Schauspiel dieser ungewöhnlichen Erscheinung zu beobachten.»
Der deutsche Schriftsteller beschreibt während seines Aufenthaltes in Davos 1924 in seinem Buch «Der Zauberberg» die Lymphe:
«Die Lymphe, das ist das Allerfeinste, Intimste und zarteste in dem ganzen Körperbetrieb ... Man spricht immer von dem Blut und seinen Mysterien und nennt es einen besonderen Saft. Aber die Lymphe, die ist ja erst der Saft der Säfte, die Essenz [...] Blutmilch, eine ganz deliziöse Tropfbarkeit.»
Thomas Mann, Der Zauberberg Davos 1924

1998 Verleihung der Caspar Asellius Medaille an einen der bedeutendsten Anatomen Europas, Herrn Prof. Dr. med. Stefan Kubik (†) – Zürich, für seine besonderen Verdienste in der über 50-jährigen wissenschaftlichen Tätigkeit in der Erforschung und den anatomischen Darstellungen des Lymphgefässsystems.
